Der Ehering - ein Bundeszeichen

In fast allen Zeitaltern und Kulturen finden wir den Ring als Symbol für die Ehe. Ein Band - ohne Anfang und Ende, ewig und vollkommen.

Mit dem Ringtausch versprechen sich Mann und Frau lebenslange Treue, in Liebe zueinander zu stehen und sich gegenseitig zu achten.
Der Ring ist ein Zeichen des Bundes zwischen Mann und Frau, der ihr Versprechen besiegelt – ein Erinnerer und Ermahner.

Im Judentum war die Ehe ursprünglich ein geschäftlicher Vorgang, ein Vertrag zwischen Mann und Frau. Der Bräutigam erwarb eine Braut und das Geschäft wurde durch Zahlung einer Gold- oder Silbermünze besiegelt, die einen Mindestwert haben musste. Später nahm ein Ring die Stelle des Geldstücks ein.
Für den jüdischen Trauring gelten bestimmte Regeln: Er muss schlicht sein, innen perfekt rund und glatt und darf keine Steine und keine Gravuren aufweisen, er muss einen Mindestwert haben und aus dem Besitz des Mannes stammen. Da der Ring die ursprüngliche Münze ersetzt, die einen gut ersichtlichen Wert hat, muss auch der Wert des Ringes leicht einschätzbar sein. Ein kunstvoll verzierter Ring könnte hier irreführend sein und so schützt das Judentum die Braut, indem es vorschreibt, einen schlichten, unverzierten Ring zu verschenken.
Bei der Zeremonie wird der Ring an den Zeigefinger der rechten Hand der Braut gesteckt, da dieser der sichtbarste Finger (mit ihm zeigt man) ist und die Trauzeugen eindeutig erkennen können, dass der Bräutigam der Braut den Ring ansteckt. Dabei spricht der Bräutigam "Mit diesem Ring bist du mir angetraut nach dem Gesetz Mose und Israel".

Auch im Christentum ist der Ringtausch fester Bestandteil der Zeremonie. Im 13. Jahrhundert eingeführt, sollte er vor allem den Männern helfen, sich die Treuepflicht leichter ins Bewusstsein zu rufen.
Mit der Zeit wurden Trauringe immer aufwändiger in der Verarbeitung und außerdem meist reich mit Edelsteinen verziert.
Im 16. und 17. Jahrhundert war es nicht unüblich, Verlobungs- und Trauringe mit Symbolen der damals beliebten Memento-Mori-Ringe, also z.B. Särgen, Skeletten und Totenköpfen zu verzieren. Ebenfalls im 17. Jahrhundert kamen Dreifachringe oder Trinitätsringe in Mode. Sie bestehen aus drei untrennbar aber beweglich ineinander verschlungenen Ringen, welche zusammen einen Fingerring ergeben. Hierzu wurden für die einzelnen Ringe verschiedene Materialien oder auch Goldfarben verwendet. Die einzelnen Ringe stehen dabei für Braut, Bräutigam und Gott.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Trauringe wieder schlichter. Ein einfacher Goldring sollte sich deutlich von anderen Schmuckringen abheben und ein klares Zeichen für Liebe, Treue und Zusammengehörigkeit setzen. Er wurde wieder Symbolring, der an das Treueversprechen erinnert und an den Bund, den Mann und Frau vor und mit Gott geschlossen haben.