Die Geschichte des Traurings ist lang und reicht bis in die Zeit der Kelten zurück. Bei ihnen findet man Ringe aus geflochtenem Gras, die zwar erst nur als Symbol der Stammeszugehörigkeit galten, später aber auch bei der Vermählung verliehen wurden. Etwa in der gleichen Epoche auf einem anderen Kontinent bei den Sumerern zog der Tempelpriester bei der Trauzeremonie aus den Kleidern der Brautleute je einen Faden und band diese zusammen, um damit die immerwährende Zusammengehörigkeit zu symbolisieren. Vielleicht entstanden daraus ein geflochtener Ring aus Fäden, der als Zeichen der Trauung für jeden sichtbar getragen wurde.
Schon die alten Ägypter trugen Ringe als Zeichen der Liebe und Treue.
Die Kreisform steht schon seit Urzeiten für das Ewige, nie Endende, Vollkommene und symbolisierte bei den Ägyptern auch, dass Liebe und Zuneigung in diesem Ring wie in einem Kreis fließen, ewig ohne Anfang und Ende. Der Treuering wurde immer auf dem vierten Finger der linken Hand getragen. Im alten Ägypten war das der "Liebesfinger", denn von diesem Finger aus, so glaubte man damals, würde eine Vene direkt zum Herzen führen, zum Sitz der Liebesgefühle.
Auch die Römer überreichten der Dame ihres Herzens vor der Hochzeit einen Verlobungsring. Dieser war aus Eisen geformt und häufig mit einem kleinen Schlüssel verziert, ein Zeichen dafür, dass der jungen Frau die Schlüsselgewalt übertragen wurde. Das Eisen stand dabei für Sparsamkeit, Bescheidenheit und Treue, alles Tugenden und Pflichten einer jungen Hausfrau. Zuerst wurde der Ring an der rechten Hand getragen, nach der Trauung wechselte er auf den vierten Finger der linken Hand, wodurch dieser den Namen "Ringfinger" bekam. Der römische Trauring galten als Zeichen der Bindung, vor allem aber auch als "Empfangsbestätigung" der Mitgift, aber auch einen Verpflichtung für den römischen Mann, ab sofort für seine Frau zu sorgen. Oft war er mit Gravuren versehen wie "PIGNUS AMORIS HABES" (Du hast meiner Liebe Pfand).
Im 2. Jahrhundert nach Christus gab es bei den Römern die ersten Verlobungsringe aus Gold. Sehr beliebt war damals auch das Motiv zwei sich fassender Hände. Ursprünglich waren diese Motivringe Symbol für einen Vertragsabschluss, die so genannten Federinge (MANI INFEDE "Hände im Glauben"). Immer mehr wurde er auch Symbol für den Ehevertrag.
Seit dem Hochmittelalter ist dem Verlöbnis und dem damit auf absehbaren Zeit stattfindenden Eheabschluss, großes Gewicht zugekommen. Man bekräftigte diesen Entschluss durch Förmlichkeiten, zu denen besonders die Übergabe eines Ringes an die Braut gehörte. Die Christen übernahmen so die heidnisch-römische Tradition den Ring der Frau als Zeichen der Liebe und Treue bei der Verlobungsfeier anzustecken.
Erst als sich mehr und mehr eine "kirchliche Vermählung" durchsetzt, verlagert sich der Brauch und wird zum Trauritus. Der "anulus pronobus" wird zum Trauring. Seine kirchliche Weihe als offizielles Sinnbild für die ewige Beständigkeit der Ehe und lebenslange Treue vor Gott bekam der Trauring um 850 durch Papst Nikolaus I. Er legte fest: "So wie der Ring keinen Anfang und kein Ende hat, so soll die Beziehung des Paares und der Bund mit Gott ewig dauern." Allerdings erhielt weiterhin nur die Frau einen Ring zur Verlobung. Die ersten beiderseitigen Ringgaben finden sich erst seit dem 11. Jahrhundert im byzantinischen Verlobungsritus.
Im 12.Jahrhundert hatte der Ringtausch mittlerweile eine so starke Bedeutung, dass eine bischöfliche Anordnung jungen Männern verbot, den Mädchen aus Spaß einen Ring an den Finger zu stecken. Seit dem 13. Jahrhundert war die Kirche in Deutschland dann bemüht, den gegenseitigen Ringtausch zum festen Bestandteil des Eheversprechens zu machen, um vor allem den Männern die Treuepflicht stärker ins Bewusstsein zu bringen.
Im 15. Jahrhundert entstand dann in Europa der Brauch, zum als Verlobungsring einen Diamantring zu schenken, der die unsterbliche Liebe verkörpern sollte. Ebenso wurde es üblich kleine Gedichte und Inschriften einzugravieren, die sich meist auf der Innenseite der Ringbänder verbargen. Ein Beispiel für solch eine Ringbotschaft findet man in dem Ehering von Anna von Cleve, die im 16. Jahrhundert Heinrich VII von England heiratete. Sie ließ eingravieren: "God send me well to kepe" (Gott schenke mir die Gnade, diese Ehe zu erhalten.)
So genannte "Zwillingsringe" (Gimmelringe) tauchten in der Renaissance auf. Jeder der Verlobten trug einen Ring bis zur Trauung, an dieser wurden beide Ringe zusammengeführt und die Braut trug den Zwillingsring als Trauring. Ein berühmtes Beispiel hierfür sind die Trauringe von Martin Luther und Katarina von Bora. Es ist ein von Albrecht Dürer kunstvoll gearbeiteter Doppelring. in Luthers Ring ist ein Diamant (hart und feurig Funken sprühend - das Symbol der männlichen Kraft, Dauer und Treuer) eingearbeitet, Katarina trägt einen Rubin (das Zeichen warmer Liebe) Im Inneren des Ringes stehen die beiden Namen der Verlobten c.v.B. und M.L.D., so wie einen Ehesegen: „Was Gott zusammenfügt, soll kein Mensch scheiden", eingraviert sind.
Trauringe wurden ab dieser Zeit immer aufwändiger in der Verarbeitung und außerdem meist reich mit Edelsteinen verziert.
Im 16. und 17. Jahrhundert war es nicht unüblich, Verlobungs- und Trauringe mit Symbolen der damals beliebten Memento-Mori-Ringe, also z.B. Särgen, Skeletten und Totenköpfen zu verzieren. Ebenfalls im 17 Jahrhundert kamen Dreifachringe oder Trinitätsringe in Mode. Er besteht aus drei untrennbar, aber beweglich ineinander verschlungenen Ringen, welche zusammen einen Fingerring ergeben. Hierzu wurden für die einzelnen Ringe verschiedene Materialien oder auch Goldfarben verwendet. Die einzelnen Ringe stehen dabei für Braut, Bräutigam und Gott.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Trauringe wieder schlichter. Ein einfacher Goldring sollte sich deutlich von anderen Schmuckringen abheben und ein klares Zeichen für die Liebe und Treue setzen.
In islamischen Ländern gehört der Trauring nicht zur Hochzeitszeremonie bzw. zum Vertragsabschluss. Viele Paare übernehmen jedoch die europäische Tradition und tauschen bei ihrer Hochzeit Ringe aus. Allerdings sind es meist keine einheitlichen Ringe. Der Mann schenkt der Frau einen Ring für die rechte Hand, der meist aus hochwertigem Gold ist, während der Mann einen silbernen Ring bekommt (es ist den Männern verboten Gold zu tragen), den er links trägt.
In Indien tragen verheiratete Frauen hinduistischen Glaubens eine bestimmte Halskette und teilweise einen rot gefärbten Scheitel. Jedoch gibt es für Männer keine Zeichen für ihren Eheschluss.
Auch im Judentum ist der Ehering kein Ehenachweis oder Symbol für die Ehe, wird aber häufig in die Zeremonie mit eingebunden.
Ursprünglich war die Eheschließung ein geschäftlicher Vorgang, ein Vertrag zwischen Mann und Frau. Der Bräutigam erwarb eine Braut und das Geschäft wurde durch Zahlung einer Gold- oder Silbermünze besiegelt, die einen Mindestwert haben musste.
Später nahm ein Ring die Stelle des Geldstücks ein.
Die jemenitischen Juden verwenden noch heute bei der Hochzeitszeremonie eine Münze, wenn der Bräutigam zur Braut sagt: "Hier, du bist mir durch diese Münze geweiht."
Für den jüdischen Trauring gelten bestimmte Regeln: Er muss schlicht sein, innen perfekt rund und glatt und darf keine Steine und keine Gravuren aufweisen, er muss einen Mindestwert haben und aus dem Besitz des Mannes stammen. Da der Ring die ursprüngliche Münze ersetzt, die einen gut ersichtlichen Wert hat, muss auch der Wert des Ringes leicht einschätzbar sein. Ein kunstvoll verzierter Ringe könnte hier irreführend sein und so schützt das Judentum die Braut, indem es vorschreibt, einen schlichten, unverzierten Ring zu verschenken.
Bei der Zeremonie wird der Ring an den Zeigefinger der rechten Hand der Braut gesteckt, da dieser der sichtbarste Finger (mit ihm zeigt man) ist und die Trauzeugen eindeutig erkennen können, dass der Bräutigam der Braut den Ring ansteckt.
Nach der Zeremonie wird der Ring dann traditionsgemäß auf den Ringfinger der linken Hand gesteckt, sie glaubten ebenfalls wie die alten Ägypter und Römer, dass von diesem Finger eine Ader direkt zum Herzen führt.
Ob als Verlobungs- oder Trauring hat er bis heute seinen Sinn als Symbol der Unendlichkeit behalten. Heutzutage erhält man ihn in unendlich vielen Variationen: aus Weiß- oder Gelbgold, Platin, Palladium, Edelstahl oder Titan, klassisch, gemustert, glänzend oder matt, ein oder mehrfarbig und auch verziert mit kleinen (oder größeren) Diamanten.
Eins bleibt: Jeder Ring ist ein Zeichen der Zusammengehörigkeit. Er ist weniger ein Schmuckring als vielmehr ein Symbolring, der an das Treueversprechen erinnert, den Bund, den Mann und Frau vor und mit Gott geschlossen haben.